Begreift man die Beziehung zwischen weiblicher und männlicher Hauptfigur und der Leserin als Dreiecksverhältnis, stellt sich die Frage, ob es dann nicht eigentlich Letztere ist, die ihre Zustimmung erteilt. Die Anthropologin Helen Fisher argumentiert 1999 in »The First Sex«, dass bei Vergewaltigungs-fantasien immer die Fantasierende die Consent-Geberin sei. Das Lesen von Dark Romance-Romanen führt Frauen auf symbolisch überhöhte Weise vor Augen, welche Auswirkungen eine systemische Benachteiligung auf ihre persönliche Autonomie hat. In »Hating Women« (1975) fordert Andrea Dworkin ihre Leserinnen dazu auf, gewaltvolle Unterwerfungsszenen als »Code« zu lesen, der sie zur Revolution, der Ausrufung eines Kriegs gegen die Männer auffordere. Dann wäre Dark Romance eine Art von ›rage-baiting‹, das junge Leserinnen mittelfristig dem radikalen Feminismus in die Arme treibt. (121-122)